Namibia Nord

 

 

 


In Windhoek  begann unsere Entdeckungstour durch das südliche Afrika. Erzählungen, Diavorträge und Reiseführer hatten uns neugierig gemacht. Neugierig auf das bißchen "Deutschland" in der südwestlichen Ecke Afrikas. Wir wollten nun die Spuren unserer "Vorfahren" entdecken und mit eigenen Augen betrachten, was von der deutschen Tradition denn nun tatsächlich noch übrig geblieben ist. Und so begann unsere Tour. Vom Flughafen fuhren wir mit dem Bus ins nahe gelegene Windhoek. Auf der knapp einstündigen Fahr passierten wir nur sehr vereinzelt Bäume oder sogar Häuser.Bergiges Land mit ein paar Sträuchern prägten die Landschaft. In Windhoek nahmen wir unser Auto bei Britz Africa entgegen. Hier wurden wir schon herzlich auf deutsch begrüßt. Wir hatten einen allradgetriebenen Jeep gebucht, der zwei Zelte auf dem Dach mit sich führte. Auch die weitere Ausstattung des Wagens war außerordentlich gut. Wir haben vom Gaskocher über Besteck, Geschirr ... bis zum Campingtisch und Stühlen alles gestellt bekommen. Nachdem wir unser Fahrzeug beladen hatten,  wollten wir noch die ersten Erkundungen in Windhoek machen. Nach den Fotos der Reiseführer erwartete uns in hier eine moderne Metropole mit einigen historischen Ecken, in der die deutsche Tradition gepflegt wird. In wenigen Minuten hatten wir jedoch fast alle sehenswerten Ecken der Stadt gesehen. So zum Beispiel die wirklich bewundernswerte Christuskirche und  das Denkmal für die deutsche "Schutztruppe". Es war dann auch schon höchste Zeit - nach den notwendigsten Einkäufen machten wir uns auf in den nahegelegenen Wildpark Daan Viljoen. Dort übten wir den Aufbau unserer Dachzelte und legten uns zur wohlverdienten Ruhe. Vier Personen auf dem Dach eines Autos - wenn sich einer bewegt, da haben alle etwas davon. Trotzdem, wer in Namibia reist, der sollte auf diese Form der Unterkunft zurückgreifen. Hotels sind vielfach überteuert und zu selten verfügbar und Zelten direkt auf dem Boden, wir würden das aufgrund der Tierchen nicht empfehlen. Und noch ein Tip: es gibt in Namibia weniger asphaltierte Straßen als Finger an einer Hand - also ein Jeep mit Allradantrieb ist zwingend erforderlich. In Namibia passieren 80% aller Unfälle ohne Beteiligung eines zweiten Fahrzeuges! 

Am nächsten Morgen ging es nun direkt nach Westen an die Atlantikküste. Mit einem kurzen Zwischenstop an der Spitzkoppe fuhren wir bis nach Swakopmund. Hier mitten in der Wüste kann man Fachwerkhäuser oder auch Häuser im Jugendstil bewundern. Zum Beispiel das Hohenzollern Haus (Bild). Wir zelteten etwas außerhalb des Städtchens. Verblüffend war auch hier die deutsche Selbstverständlichkeit. In jedem Laden wurden wir freundlich mit "Guten Tag" begrüßt. 
Swakopmund ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. Trotz der Hitze ist der Atlantik hier viel zu kalt zum Baden. Der kalte Benguela-Strom bringt das Wasser direkt vom Südpol hierher. Durch das Aufeinanderprallen der unterschiedlich temperierten Luftmassen bildet sich häufig ein Nebel- bzw. Wolkenstreifen entlang der gesamten Küste. Meistens kann man den blauen Himmel im Landesinneren am Horizont sehen. Wir fuhren nun immer im Wolkenstreifen entlang der Küste nach Norden. Auf dem Weg zum Skeleton Coast Park machten wir eine erste Station am Cape Cross. Hier erklärten vor einiger Zeit zuerst der Portugiese Diego Cao und ca. 400 Jahre später ein deutscher Kapitän das Land zur Kolonie ihrer Herren indem sie eine Säule mit Kreuz in dieser menschenlosen Gegend zurückließen. Heute hat sich hier eine riesige Kolonie an Robben niedergelassen. Mehrere 10.000 Tiere bevölkern hier den Strand und hinterlassen ihren starken Eigengeruch. Dieser Gestank biß sich noch über Stunden in unserer Nase fest. Trotzdem war der Anblick dieser Massen aus unmittelbarer Nähe beeindruckend. Außer uns war während unseres einstündigen Stops nur ein weiteres Auto anwesend. 
Auf dem weiteren Weg in Richtung Norden änderte sich an der Landschaft fast nichts mehr. Über 100 km war nichts aber gar nichts zu sehen als Wolken und rechts und links Schotter. Wenn das Wort Einsamkeit irgendwo erfunden wurde - dies muß der Platz gewesen sein. 
Inmitten dieser Einöde findet man vereinzelt nur noch die Überreste vermutlich im Nebel gestrandeter Schiffe, sowie hin und wieder ein paar tierische Knochen. Wir fuhren schließlich bis an den Nationalpark heran. Der Parkwärter versicherte uns glaubhaft, daß auch auf den folgenden hunderten Kilometern keine Veränderung der Landschaft zu erwarten sei. Da der Park nur komplett durchfahren werden darf, d.h. daß eine Stippvisite von einigen Kilometern und eine anschließende Umkehr  verboten war, verzichteten wir auf die Weiterfahrt und drehten um. Es war ein wirklich bleibendes Erlebnis, aber es war auch genug. 

Am darauffolgenden Tag verließen wir Swakopmund in südlicher Richtung und wollten bis zum Sesriem Canyon  vorstoßen. Auf dem Weg machten wir einen kleinen Abstecher zum Welwitschia Drive, der Mondlandschaft und weiterer kleinerer Sehenswürdigkeiten im nördlichen Namib Naukluft Park. Hier konnten wir uns kaum losreißen, so daß wir nur mit einem tollkühnen Endspurt und finanziellen Argumenten gegenüber den Pförtnern des Zeltplatzes in Sesriem noch zu unserer verdienten Nachtruhe gekommen sind.

 

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© 30.01.2005

 

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